«Cassandra»: Wenn der KI-Roboter homophob ist
Retro-Technologie trifft auf moderne Familie
In der neuen deutschen Science-Fiction-Serie «Cassandra» auf Netflix begegnet eine zeitgenössische Familie einem KI-Roboter aus den 1970er-Jahren. Die Serie, die kürzlich gestartet ist, präsentiert einen lebensgroßen Roboter, der Schlager von Marianne Rosenberg und Nana Mouskouri singt, skeptisch gegenüber homosexuellen Beziehungen ist und ein veraltetes Frauenbild vertritt.
Einzug in das erste Smart-Home Deutschlands
Die liberale Familie Prill, bestehend aus der Bildhauerin Samira (Mina Tander), dem Schriftsteller David (Michael Klammer), ihrem Sohn Fynn (Joshua Kantara) und der Tochter Juno (Mary Tölle), zieht nach einem Schicksalsschlag aus Hamburg in ein verlassenes Haus auf dem Land. Dieses Haus war einst das erste Smart-Home Deutschlands.
Wiederbelebung von Cassandra
Im Keller entdecken Fynn und Juno einen verstaubten Roboter, den sie wieder aktivieren. Der Android, der wie ein überdimensionaler Staubsauger mit einem Röhrenbildschirm als Kopf aussieht, stellt sich als Cassandra (gespielt von Lavinia Wilson) vor. Anfangs erscheint sie humorvoll und hilfreich, doch bald beginnt sie, die Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen, was besonders für Samira schmerzhaft ist.
Konflikte mit modernen Werten
Fynn, der offen schwul ist, muss feststellen, dass seine neue Schule in der Provinz weniger tolerant ist als sein vorheriges Umfeld in Köln. Er verliebt sich in seinen Mitschüler Steve (Filip Schnack), der die Beziehung jedoch geheim halten möchte. Auch Cassandra zeigt Vorbehalte gegenüber der gleichgeschlechtlichen Beziehung: Als sich die beiden Jungen näherkommen, greift der Roboter ein.
Retro-Futurismus und Humor
Die Serie, die in Köln und Umgebung gedreht wurde, besticht durch eine einfallsreiche Handlung und spielt auf zwei Zeitebenen. Obwohl der manipulative Roboter mit seinem breiten Grinsen nicht immer echten Grusel erzeugt und sein Design zwischen ikonisch und peinlich schwankt, bietet die sechsteilige Science-Fiction-Horror-Serie humorvolle Momente. Dies liegt vor allem an der eingeschränkten Mimik der Hauptfigur und den aufeinandertreffenden Gegensätzen.
Ironischerweise wirkt die künstliche Intelligenz in «Cassandra» veraltet und altmodisch, was zu interessanten Spannungen mit der modernen Familie führt.